Lavendel ist eine der bekanntesten Heilpflanzen Europas. Auf der Haut wird er als verdünntes Öl oder als Hydrolat verwendet. Im Labor hemmt Lavendelöl das Aknebakterium Cutibacterium acnes. Als Tee oder Tinktur wird Lavendel traditionell zur Entspannung und für einen erholsamen Schlaf eingenommen. Das ist für die Haut interessant, denn Stress gilt als ein Auslöser von Akneschüben.
Die Pickel kommen immer wieder, nagen am Selbstbewusstsein, und Sie suchen einen pflanzlichen Weg. Hier erfahren Sie, was in der Pflanze steckt, wie Sie Lavendel äußerlich und innerlich anwenden und worauf Sie dabei achten sollten.
Lavendel und unreine Haut: Was in der Pflanze steckt
Bei Echtem Lavendel (Lavandula angustifolia) stecken die wichtigsten Inhaltsstoffe im ätherischen Öl, vor allem Linalool und Linalylacetat. Sie gehören zu den Terpenen, flüchtigen Pflanzenstoffen, die auch den typischen Duft der Blüten ausmachen. Neben dem ätherischen Öl enthalten die Blüten Gerbstoffe, Flavonoide und Cumarine. Dieser Mix erklärt, warum Lavendel in der Pflanzenheilkunde so vielseitig eingesetzt wird, als Hausmittel bei kleineren Hautreizungen und Rötungen ebenso wie zur Entspannung.
Herkunft und Geschichte: vom römischen Bad bis zur Klostermedizin
Der Echte Lavendel gehört zur Familie der Lippenblütler und stammt aus dem Mittelmeerraum. Wild wächst er an sonnigen, kargen Berghängen, etwa in der Provence, die heute auch für ihre Lavendelfelder bekannt ist. Der Name wird meist vom lateinischen „lavare“ (waschen) abgeleitet: Schon in der griechisch-römischen Antike gab man Lavendel ins Wasch- und Badewasser. Über die Klöster kam die Pflanze nach Mitteleuropa, und Hildegard von Bingen beschrieb sie im 12. Jahrhundert in ihren naturkundlichen Schriften. 2020 wurde der Echte Lavendel zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.
Lavendel blüht von Juni bis August. Für Tee und Tinktur werden die Blüten im Hochsommer geerntet, wenn sie sich gerade öffnen und besonders viel ätherisches Öl enthalten.
Antibakteriell und beruhigend: was das Labor zeigt
Laborversuche zeigen, dass Lavendelöl das Wachstum von Cutibacterium acnes hemmen kann, einem Bakterium, das an entzündeten Pickeln beteiligt ist. Im Labor wirkt Lavendelöl also antibakteriell. Wie stark sich das auf der Haut zeigt, untersucht die Forschung weiter.
Auch entzündungshemmende Effekte sind in Zell- und Laborstudien beschrieben. Diese Ergebnisse erklären, warum Lavendel seit Langem bei der Pflege gereizter Haut geschätzt wird.
Senkt Lavendel die Talgproduktion? Was sich sagen lässt
Weniger Talg durch Lavendel ist eine verbreitete Hoffnung bei fettiger Haut. Für eine Wirkung auf die Talgdrüsen gibt es bislang aber keine Hinweise.
Seine Stärke liegt woanders: als milde Pflege für gerötete Stellen. Gegen übermäßigen Talg setzt die Dermatologie andere Wirkstoffe ein.
Lavendel von innen: Warum Ruhe auch der Haut guttut
Akne entsteht nicht nur auf der Haut. Hormone, Veranlagung und auch Stress spielen eine Rolle. In einer Studie der Stanford University verschlechterte sich die Akne von Studierenden in der Prüfungszeit. Je gestresster sie sich fühlten, desto deutlicher war der Effekt (Chiu et al., 2003). Fachleute vermuten, dass Stresshormone wie Cortisol die Talgdrüsen zusätzlich anregen.
Hier kommt die innerliche Anwendung von Lavendel ins Spiel. Seine bekannteste Tradition ist nämlich die Entspannung, nicht die Hautpflege. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt Lavendelblüten als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Stress- und Erschöpfungssymptome und zur Unterstützung des Schlafs. In Deutschland ist außerdem ein spezielles Lavendelöl-Präparat zum Einnehmen als Arzneimittel bei Unruhezuständen zugelassen. Lavendel von innen ist kein Aknemittel. Er kann aber Teil einer Routine sein, die bewusst für Entspannung und guten Schlaf sorgt, und so die Pflege von außen ergänzen.
So nehmen Sie Lavendel-Tinktur ein
Eine Lavendel-Tinktur ist ein alkoholischer Auszug aus den Blüten. Der Alkohol löst die ätherischen Öle und weitere Pflanzenstoffe heraus und macht den Auszug ohne Konservierungsstoffe lange haltbar.
- Über den Tag: 2 × täglich 30 Tropfen in etwa 150 ml Wasser. Alternativ die Tagesmenge von 60 Tropfen in rund 500 ml Wasser geben und über den Tag verteilt trinken.
- Am Abend: Viele nehmen einen Teil der Tagesmenge etwa 30 Minuten vor dem Schlafengehen in einem Glas Wasser ein.
- Dauer: Regelmäßig über mindestens 2 bis 3 Monate. Die Tagesmenge von 60 Tropfen nicht überschreiten.
- Alkohol: 60 Tropfen sind rund 2,7 ml Tinktur und enthalten etwa 1,4 g Alkohol. Zum Vergleich: Ein kleines Bier (0,33 l) enthält rund 13 g.
- Nicht geeignet: in Schwangerschaft und Stillzeit, für Kinder sowie für Menschen, die Alkohol meiden müssen. Wer Beruhigungs- oder Schlafmittel nimmt, spricht die Einnahme vorher mit Arzt oder Apotheke ab.
Die Tinktur ist zum Einnehmen gedacht. Für die Haut selbst eignen sich verdünntes Lavendelöl oder Lavendelwasser. Ätherisches Lavendelöl aus der Drogerie ist dagegen nicht zum Einnehmen bestimmt.
Alternative: Lavendeltee
Übergießen Sie 1 bis 2 Teelöffel getrocknete Blüten mit 150 ml kochendem Wasser und lassen Sie den Tee etwa 10 Minuten zugedeckt ziehen. Bis zu dreimal täglich, zum Beispiel als Abendtee.
Lavendelöl, Lavendelwasser, Tee oder Tinktur: welche Form passt?
Lavendel kommt in drei Formen auf die Haut, die sich stark in der Konzentration unterscheiden. Ätherisches Öl ist hochkonzentriert. Das Hydrolat, auch Lavendelwasser genannt, entsteht als wässriges Nebenprodukt der Destillation und ist deutlich sanfter als Öl. Achten Sie darauf, ein reines Hydrolat ohne Alkohol zu kaufen. Parfümiertes „Lavendelwasser“ mit Alkohol trocknet die Haut aus und reizt sie. Tee eignet sich äußerlich als Kompresse oder Spülung. Von innen wird Lavendel als Tee oder Tinktur eingenommen, mehr dazu im Abschnitt zur innerlichen Anwendung.
Ist Lavendelöl für unreine Haut geeignet?
Lavendelöl kann bei leichter unreiner Haut ausprobiert werden, wenn es stark verdünnt und punktuell aufgetragen wird. Es ist eine pflegende Ergänzung, kein Ersatz für ein Aknemittel. Bei empfindlichen Hauttypen, die schnell mit Rötung reagieren, ist Lavendelwasser die bessere Wahl. Es lässt sich nach der Reinigung auf ein Wattepad geben oder aufsprühen und braucht kein Trägeröl.
Für Kompressen eignet sich frisch zubereiteter, abgekühlter Lavendeltee mit einem sauberen Tuch.
| Variante | Vorteil | Grenze |
|---|---|---|
| Ätherisches Öl | Höchste Konzentration, punktuell einsetzbar | Nur verdünnt, etwa 1 % |
| Lavendelhydrolat | Mild, ohne Trägeröl anwendbar | Geringe Konzentration, oft ohne Konservierung und nach dem Öffnen nur begrenzt haltbar |
| Tee-Kompresse | Kühlt und beruhigt gereizte Stellen | Muss frisch zubereitet werden |
| Tinktur (innerlich) | Einfach dosierbar, lange haltbar, auch unterwegs | Enthält Alkohol, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit und nicht für Kinder |
| Tee (innerlich) | Mild, gut als Abendritual | Muss frisch zubereitet werden |
Lavendelöl bei Pickeln anwenden: Verdünnung und Patch-Test
Lavendelöl darf Ihre Haut nie unverdünnt berühren. Für eine Verdünnung von etwa 1 % geben Sie 5 bis 6 Tropfen auf 30 ml Trägeröl, bei kleineren Mengen 2 Tropfen auf 10 ml. Jojobaöl eignet sich gut als Trägeröl: Es ist ein flüssiges Pflanzenwachs, das kaum ranzig wird und das ätherische Öl gleichmäßig verteilt.
Wie lange dauert es bis zur Wirkung?
Pflanzliche Pflege braucht Geduld. Zum Vergleich: Selbst etablierte Aknemittel brauchen meist 6 bis 12 Wochen, bis sich das Hautbild sichtbar bessert.
Setzen Sie sich deshalb eine feste Probezeit von etwa vier bis sechs Wochen und halten Sie fest, wie sich das Hautbild entwickelt, etwa mit einem Foto pro Woche bei gleichem Licht. Wer nach dieser Zeit keine Besserung sieht, bricht ab, statt die Dosis zu erhöhen. Mehr Tropfen bedeuten mehr Reizrisiko, aber keinen stärkeren Effekt.
- Die Mischung in einer sauberen, dunklen Glasflasche ansetzen und gut schütteln.
- Einen Tropfen der Mischung in die Armbeuge geben und 48 Stunden beobachten.
- Bleibt die Stelle ruhig, die Mischung punktuell auf frisch gereinigte Haut tupfen.
- Bei Rötung, Brennen oder Juckreiz sofort absetzen. Klingt die Reaktion nicht innerhalb weniger Tage ab oder breitet sie sich aus, lassen Sie sie ärztlich abklären.
Lavendel, Teebaumöl oder Kamille bei unreiner Haut
Teebaumöl ist in der Akne-Forschung besser untersucht: Kleine klinische Studien zeigen eine Wirkung bei leichter bis mittelschwerer Akne. Es reizt aber häufiger und kann ebenfalls Kontaktallergien auslösen. Kamille ist eine beruhigende Heilpflanze, die bei gereizter Haut eingesetzt wird. Wer auf Korbblütler wie Arnika oder Ringelblume allergisch ist, sollte sie meiden.
Bei der Hautverträglichkeit gilt Teebaumöl als am reizendsten. Allergisch reagieren kann man aber auf alle drei Pflanzen, vor allem wenn ätherische Öle oxidiert sind. Lavendel wird als verdünntes Öl oder Hydrolat genutzt, Kamille als Aufguss für Kompressen.
Wann Lavendel nicht reicht: Allergie und Hautarzt
Bei der äußerlichen Anwendung ist eine Kontaktallergie durch Linalool das wichtigste Risiko, vor allem wenn das Öl an der Luft oxidiert ist. Eine solche Allergie kann sich auch nach wochenlanger problemloser Anwendung noch entwickeln. Ein unauffälliger Patch-Test schließt sie also nicht dauerhaft aus. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern halten Sie vorher Rücksprache mit Arzt oder Apotheke.
Mittelschwere und schwere Akne gehört in die Hände eines Dermatologen. Bei leichter bis mittelschwerer Akne sind äußerlich aufgetragene Wirkstoffe die Basis: Retinoide wie Adapalen, Benzoylperoxid und Azelainsäure, oft kombiniert. Bei schwereren Formen kommen zeitlich begrenzt orale Antibiotika, Isotretinoin oder hormonelle Therapien hinzu. Ein Hausmittel ersetzt diese Behandlung nicht und kann sie unnötig verzögern.
- Knoten und Zysten: tiefe, schmerzhafte Entzündungen, die mit Pflege allein nicht abheilen.
- Narbenbildung: Schon erste Narben sind ein Grund für eine frühe Behandlung, denn sie bilden sich nicht von selbst zurück.
- Hormonelle Akne: Schübe an Kinn und Kieferlinie, teils zyklusabhängig. Mehr dazu, wie sich ein hormonelles Ungleichgewicht bemerkbar macht.
- Keine Besserung: Die Haut bleibt nach der Probezeit von vier bis sechs Wochen gleich oder wird schlechter.
Was Lavendel gegen Akne kostet und was die Kasse übernimmt
Die Kosten bleiben überschaubar: Da pro Mischung nur wenige Tropfen nötig sind, reicht eine Flasche ätherisches Öl lange. Setzen Sie die Mischung lieber in kleinen Mengen an, damit sie nicht oxidiert. Wie viel Sie ausgeben, hängt vor allem von Qualität und Flaschengröße des ätherischen Öls ab.
Lavendel-Tinktur ist ein Nahrungsergänzungsmittel und wird selbst bezahlt. Eine 100-ml-Flasche enthält rund 2.200 Tropfen und reicht bei 60 Tropfen täglich gut fünf Wochen. Achten Sie auf Bio-Qualität, die Angabe des Pflanzenteils (Blüten) und einen ausgewiesenen Alkoholgehalt.
Pflanzliche Hautpflege-Produkte zahlen Sie selbst, die Krankenkasse übernimmt sie in der Regel nicht. Verschreibungspflichtige Aknemittel vom Hautarzt, etwa Retinoide oder Isotretinoin, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel. Sie zahlen dann nur die Rezeptgebühr bzw. Zuzahlung. Rezeptfreie Präparate wie Benzoylperoxid müssen Erwachsene meist selbst bezahlen.
Ihr Geld ist am besten in geprüfte Qualität investiert. Achten Sie auf die botanische Angabe Lavandula angustifolia, denn Lavandin- und Speiklavendel-Öle enthalten deutlich mehr Kampfer und reizen die Haut eher. Eine Bio-Kennzeichnung, eine dunkle Glasflasche und ein Hinweis auf 100 % naturreines ätherisches Öl sind weitere Anhaltspunkte. Notieren Sie das Anbruchdatum und lagern Sie das Öl kühl und gut verschlossen.
Häufige Fragen
Kann Lavendelwasser gegen Akne helfen?
Lavendelwasser (Hydrolat ohne Alkohol) wird zur Beruhigung geröteter, gereizter Haut verwendet und ist die sanfteste Form. Es ist eine pflegende Ergänzung, kein Aknemittel. Für empfindliche Haut eignet es sich als mildes Gesichtswasser nach der Reinigung.
Kann man Lavendel auch einnehmen?
Ja, als Tee oder Tinktur. Traditionell wird Lavendel innerlich zur Entspannung und für einen erholsamen Schlaf verwendet. Bei der Tinktur gilt: 2 × täglich 30 Tropfen in Wasser. Ätherisches Öl aus der Drogerie ist nicht zum Einnehmen geeignet.
Wie wende ich Lavendel-Tinktur richtig an?
Die Tinktur wird eingenommen: 2 × täglich 30 Tropfen in etwa 150 ml Wasser oder 60 Tropfen über den Tag verteilt in rund 500 ml Wasser. Für die Pflege der Haut kombinieren Sie das am besten mit verdünntem Lavendelöl oder Lavendelwasser.
Kann Lavendelöl Pickel behandeln?
Lavendelöl kann leichte Unreinheiten als Pflege begleiten, eine medizinische Behandlung ist es nicht. Verwenden Sie es nur mit den genannten 1 % verdünnt und auf entzündeten Knoten gar nicht.
Darf ich Lavendelöl täglich verwenden?
Ja, wenn der Patch-Test unauffällig war, können Sie die verdünnte Mischung täglich punktuell auftragen. Eine Allergie kann sich trotzdem später entwickeln. Treten Rötung oder Juckreiz auf, auch nach Wochen problemloser Anwendung, setzen Sie das Öl ab. Da oxidierte Öle stärker reizen, sollten Sie die Flasche zügig aufbrauchen.