Kurkuma (Curcuma longa) gehört zur Familie der Ingwergewächse und wird in Ayurveda und traditioneller chinesischer Medizin seit Jahrtausenden zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt. Die EMA führt Kurkuma als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Völlegefühl, träger Verdauung und Blähungen. Im Fokus der Forschung steht der gelbe Farbstoff Curcumin. Er löst sich kaum in Wasser, aber gut in Alkohol, und deshalb wird Kurkuma auch als Tinktur genutzt.

Kurkuma ist in aller Munde: als goldenes Gewürz aus dem Ayurveda, in Goldener Milch und als Tinktur. Hier erfahren Sie, was in der Wurzel steckt, was die Forschung über Kurkuma und den Darm weiß und wie Sie Kurkuma im Alltag einnehmen können.

Kurkuma und Verdauung: Was die Forschung zu Curcumin untersucht

Kurkuma gehört zu den am intensivsten erforschten Heilpflanzen: Zu Curcumin sind Tausende Fachartikel erschienen. Viele Ergebnisse stammen aus Zellkulturen und Tierversuchen, inzwischen gibt es aber auch Studien am Menschen. Dazu kommt eine lange Tradition. Im Ayurveda heißt Kurkuma „Haridra“ und gilt als wärmendes Verdauungsgewürz. Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt den Wurzelstock als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, träger Verdauung und Blähungen.

Kurkuma oder Curcumin: Was ist der Unterschied?

Kurkuma ist der Wurzelstock (Rhizom) von Curcuma longa, einer Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse. Curcumin dagegen ist nur einer ihrer Inhaltsstoffe, der Farbstoff, der das Pulver gelb färbt. Zusammen mit verwandten Stoffen, den Curcuminoiden, macht er nur etwa 2 bis 5 Prozent des getrockneten Pulvers aus.

Die bis zu einen Meter hohe Staude stammt aus Süd- und Südostasien. Das wichtigste Anbauland ist Indien. Geerntet wird der orangegelbe Wurzelstock. Neben den Curcuminoiden enthält er einige Prozent ätherisches Öl mit Turmeronen, die den würzig-erdigen Duft ausmachen.

Viele Untersuchungen arbeiten mit isoliertem Curcumin oder konzentrierten Extrakten, nicht mit dem Gewürz aus dem Küchenregal. Gewürzpulver, Goldene Milch und Tinktur unterscheiden sich deshalb in Menge und Zusammensetzung der Inhaltsstoffe. Wer Studienergebnisse liest, sollte prüfen, welche Form untersucht wurde.

Kurkuma, Galle und Fettverdauung

Traditionell wird Kurkuma vor allem mit der Galle in Verbindung gebracht. Galle wird in der Leber gebildet und hilft dem Darm, Fett zu verdauen. Schon die Kommission E, das frühere Expertengremium des Bundesgesundheitsamts, beschrieb für Kurkuma eine gallenflussfördernde Wirkung. Daher kommt der traditionelle Einsatz nach fettreichen Mahlzeiten.

Ein zweiter Ansatz betrifft die Schleimhaut. In Laborversuchen beeinflusst Curcumin Botenstoffe und Enzyme, die an Entzündungen beteiligt sind, darunter TNF-α, verschiedene Interleukine und COX-2. Für den Darm ist das besonders interessant: Curcumin geht nur schlecht ins Blut über, ein großer Teil bleibt also im Darm. Forschende untersuchen deshalb, welche Rolle es dort für die Darmschleimhaut und die Darmflora spielt.

Eine aufgeschnittene frische Kurkuma-Wurzel liegt neben einer Schale gelbem Pulver, Sinnbild für Kurkuma und den Darm.
Eine aufgeschnittene frische Kurkuma-Wurzel liegt neben einer Schale gelbem Pulver, Sinnbild für Kurkuma und den Darm. · KI-generiert

Kurkuma und Darm: Was Studien zeigen

Inzwischen gibt es auch Studien am Menschen. Eine der bekanntesten erschien 2023 im Fachjournal BMJ Evidence-Based Medicine. In Thailand erhielten 206 Erwachsene mit wiederkehrenden Oberbauchbeschwerden ohne erkennbare Ursache (funktionelle Dyspepsie) vier Wochen lang Curcumin, das Magenmittel Omeprazol oder beides. In allen drei Gruppen besserten sich die Beschwerden in vergleichbarem Ausmaß. Allerdings bekamen die Teilnehmenden hochdosiertes Curcumin, und die Ergebnisse lassen sich nicht direkt auf Gewürz oder Tinktur übertragen.

Weitere Studien untersuchen Kurkuma beim Reizdarm und begleitend zur ärztlichen Therapie bei entzündlichen Darmerkrankungen. Die Ergebnisse sind vielversprechend, die Studien aber meist klein.

Wiederkehrende oder starke Darmbeschwerden sollten Sie immer ärztlich abklären lassen. Kurkuma ersetzt keine Behandlung, kann aber Teil einer bewussten Ernährung sein.

Kurkuma und Weihrauch: Was über die Kombination bekannt ist

Kurkuma wird gern mit indischem Weihrauch kombiniert. Das Harz enthält Boswelliasäuren, die im Labor andere Stoffwechselwege beeinflussen als Curcumin. Mehr zu beiden Pflanzen lesen Sie in unserem Beitrag über Kurkuma und Weihrauch bei Entzündungen im Darm.

Beide Pflanzen haben im Ayurveda eine lange gemeinsame Tradition. Ob sich ihre Effekte ergänzen, untersucht die Forschung derzeit vor allem im Labor.

VarianteVorteilGrenze
GewürzpulverGünstig und alltagstauglich beim KochenGeringe Curcumin-Menge pro Portion
Goldene MilchFett und Pfeffer fördern die AufnahmeAufgenommene Menge schwer abschätzbar
TinkturAlkohol löst Curcumin und ätherisches Öl, einfach dosierbar, ohne KochenEnthält Alkohol, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit

Kurkuma einnehmen: Gewürz, Goldene Milch oder Tinktur

Curcumin löst sich schlecht in Wasser, wird rasch abgebaut und schnell ausgeschieden, deshalb gelangt nur wenig davon über den Darm in den Körper. Wie viel davon tatsächlich im Blut ankommt, hängt stark von der Zubereitung ab.

Piperin aus schwarzem Pfeffer und etwas Fett verbessern die Aufnahme. In der Küche heißt das: Kurkuma in Öl anschwitzen und mit Pfeffer würzen. Goldene Milch, warm mit Vollmilch oder einem Schuss Öl und einer Prise Pfeffer, verbindet beides.

Die WHO-Monografie zu Kurkuma beschreibt für die traditionelle Anwendung 1,5 bis 3 g getrocknete Wurzel pro Tag. Ein gestrichener Teelöffel Pulver wiegt etwa 3 g.

Eine Tasse Goldene Milch mit Kurkuma steht neben schwarzen Pfefferkörnern auf einem Holztisch.
Eine Tasse Goldene Milch mit Kurkuma steht neben schwarzen Pfefferkörnern auf einem Holztisch. · KI-generiert

Kurkuma als Tinktur

Weil sich Curcumin gut in Alkohol löst, wird der Wurzelstock für eine Kurkuma-Tinktur in Alkohol ausgezogen. So gehen Curcuminoide und ätherisches Öl in den Auszug über. Auch die EMA-Monografie nennt Kurkuma-Tinkturen als traditionelle Zubereitung.

  • 2 × täglich 30 Tropfen in etwa 150 ml Wasser, am besten zu den Mahlzeiten,
  • oder die Tagesmenge von 60 Tropfen in rund 500 ml Wasser über den Tag verteilt trinken.
  • Regelmäßig über mindestens 2 bis 3 Monate. Die Tagesmenge nicht überschreiten.
  • 60 Tropfen enthalten rund 1,4 g Alkohol (ein kleines Bier: etwa 13 g).

Verträglichkeit: Darauf sollten Sie achten

In den empfohlenen Mengen gilt Kurkuma als gut verträglich. Sehr hohe Dosen, wie sie vor allem hochkonzentrierte Extrakt-Kapseln liefern, können den Magen reizen. In seltenen Fällen wurden bei solchen Präparaten Leberschäden beschrieben. Warnzeichen sind eine Gelbfärbung von Haut oder Augen und dunkler Urin.

Halten Darmbeschwerden länger als zwei Wochen an, oder bemerken Sie Blut im Stuhl oder ungewollten Gewichtsverlust, lassen Sie das ärztlich abklären.

  • Gallensteine und Gallenwege: Weil Kurkuma den Gallenfluss beeinflussen kann, ist es bei Gallenwegsverschluss nicht anzuwenden, bei Gallensteinen nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder: Als Tinktur oder konzentriertes Präparat wird Kurkuma in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder und Jugendliche nicht empfohlen. Tinkturen enthalten zudem Alkohol.
  • Andere Medikamente: Wer Gerinnungshemmer oder Diabetesmedikamente nimmt, spricht die Einnahme vorher mit Arzt oder Apotheke ab. Halten Sie einen zeitlichen Abstand zu anderen Medikamenten ein.
  • Lebererkrankungen: Bei Lebererkrankungen klären Sie die Einnahme vorher ärztlich ab.

Was kostet Kurkuma als Gewürz oder Tinktur?

Kurkuma aus dem Gewürzregal ist die einfachste und günstigste Form. Konkrete Preise nennen wir hier bewusst nicht, weil sie je nach Qualität, Herkunft und Packungsgröße stark schwanken.

Eine Kurkuma-Tinktur ist ein Nahrungsergänzungsmittel und wird selbst bezahlt. Eine 100-ml-Flasche enthält rund 2.200 Tropfen und reicht bei 60 Tropfen täglich gut fünf Wochen. Achten Sie auf Bio-Qualität, die Angabe des Pflanzenteils (Wurzelstock), den Alkoholgehalt und eine dunkle Glasflasche. Heilversprechen auf der Packung sind für Lebensmittel unzulässig und kein Qualitätsmerkmal.

Ob Gewürz, Goldene Milch oder Tinktur: Wichtig ist, Kurkuma regelmäßig und über einen längeren Zeitraum zu verwenden.

Frische Kurkuma-Wurzel, eine Schale gelbes Pulver und eine braune Glasflasche mit Kurkuma-Tinktur.
Frische Kurkuma-Wurzel, eine Schale gelbes Pulver und eine braune Glasflasche mit Kurkuma-Tinktur. · KI-generiert

FAQ: Kurkuma und Darm

Kurkuma ist kein Mittel für den schnellen Effekt. In Studien wurde es meist über mehrere Wochen eingenommen, für die Tinktur empfehlen wir 2 bis 3 Monate. Bessern sich Beschwerden nicht, lassen Sie sie ärztlich abklären.

Als Gewürz nehmen Sie Kurkuma am besten zu einer Mahlzeit mit etwas Fett und schwarzem Pfeffer. Als Orientierung dient die WHO-Empfehlung von 1,5 bis 3 g getrockneter Wurzel pro Tag. Als Tinktur nehmen Sie 2 × täglich 30 Tropfen in Wasser, am besten zu den Mahlzeiten. Details stehen im Abschnitt zur Einnahme.

Traditionell wird Kurkuma bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen verwendet, so beschreibt es auch die EMA. Erste Studien am Menschen sind vielversprechend, aber noch klein. Starke oder anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt.

Untersucht werden vor allem der Inhaltsstoff Curcumin und seine Rolle bei Verdauung, Galle und Entzündungsprozessen. Vieles stammt noch aus dem Labor, die Zahl der Studien am Menschen wächst.

Die Tagesmenge von 60 Tropfen enthält rund 1,4 g Alkohol, deutlich weniger als ein kleines Bier. In Schwangerschaft und Stillzeit, für Kinder und bei Alkoholverzicht ist die Tinktur nicht geeignet.

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